Wir haben bisher einfach Glück gehabt - und trotzdem eine Menge Probleme am Hals, wie beispielsweise die Frage, wo der Atommüll gebunkert werden soll. Aber da man das Glück nicht allzulange herausfordern sollte, ist klar: Raus aus dieser gefährlichen Technologie, so schnell es geht. Es gibt genug andere Möglichkeiten der Energieerzeugung, und zwar wirklich umweltfreundliche.
Was passiert in einem Atomkraftwerk?
Der Brennstoff für Atomkraftwerke ist das chemische Element Uran. In der Natur kommt es nur in sehr geringen Mengen im Uranerz vor. Das wird unter anderem in Minen, zum Beispiel in Südafrika abgebaut. Für die Arbeiter ist das eine höchst gefährliche Angelegenheit, denn beim Abbau wirbelt radioaktiver Staub auf. Der macht die Menschen krank und verseucht auch noch die Umgebung.
Das so gewonnene Uranerz ist aber von seiner Qualität her noch nicht geeignet, um im Atomkraftwerk zur Energiegewinnung eingesetzt zu werden. Man muss es zunächst in einem komplizierten Verfahren tauglich machen: Dabei durchläuft das Natururan mehrere Verarbeitungsprozesse - und bei jedem fallen gefährliche Abfallstoffe an. Am Ende dieser Prozesskette werden dann die Brennstäbe für das Atomkraftwerk hergestellt. In den Brennstäben werden die Uran-Atomkerne gespalten. Die dabei entstehende Wärme nutzt man, um Wasser zu erhitzen, der Wasserdampf treibt eine Turbine an, und die erzeugt Strom. Der kommt dann zu Hause aus der Steckdose.

Hört sich irgendwie harmlos an: Die Brennstäbe machen Wasser heiß ... Durch die Atomkernspaltung passiert in den Brennstäben aber noch etwas anderes: Neben Energie entstehen nämlich auch andere chemische Elemente, so genannte Spaltprodukte. Viele davon sind radioaktiv. Das allergefährlichste davon ist ein Element, das in der Natur normalerweise kaum vorkommt. Aber es wird in jedem der gängigen Atomkraftwerke erbrütet. Es heißt Plutonium und ist der giftigste Stoff der Welt. Außerdem ist Plutonium ein Atombombenstoff.
Hier wird auch noch einmal deutlich, dass der oben bereits erwähnte Atomwaffensperrvertrag eine ziemlich große Schwachstelle hat: Er erlaubt nämlich ausdrücklich, dass die Technologie zum Bau von Atomkraftwerken weitergegeben werden darf - zur zivilen Nutzung. Durch die Hintertür können so auch Staaten, die keine Atomwaffen besitzen dürfen, an Plutonium kommen: Ihre AKW brüten den Stoff ja aus ...
Atommüll: Einfach in die Tonne treten?
Irgendwann ist jeder Brennstab im Atomkraftwerk am Ende - und die Probleme gehen richtig los. Denn durch die oben beschriebenen Spaltprodukte sind die Brennstäbe jetzt noch viel gefährlicher als im frischen Zustand. Abgebrannte Brennelemente werden zu so genannten Wiederaufarbeitungsanlagen (WAA) gebracht - zum Beispiel nach Sellafield oder La Hague. Dort zerlegt man sie in ihre chemischen Bestandteile.
Um Irrtümern vorzubeugen: Wiederaufarbeitung heißt nicht Recycling, auch wenn es sich so anhört! Da kommen keine frischen Brennstäbe zurück, die man wieder benutzen könnte. Was zurückkommt ist verpackter Müll - hochradioaktiver, hochgiftiger Müll. Bisher wird der stark strahlende Atommüll in Glas eingeschmolzen und in Behältern aus Gusseisen verstaut. Diese Behälter heißen Castoren. So richtig weiß aber niemand, wie lange das Material bei dieser aggressiven Ladung dicht bleibt. Schon die Transporte sind sehr gefährlich, denn sie führen per Bahn und LKW durch dicht besiedelte Gebiete.
Manche der Stoffe im Atommüll sind selbst nach Hunderttausenden Jahren noch lebensgefährlich. Deshalb muss der Atommüll aus allen Atomanlagen völlig von der Umwelt und allen Lebewesen abgeschirmt werden. Und hier liegt ein weiteres großes Problem. Denn bis heute hat kein Land der Erde einen geeigneten Ort gefunden, an dem man den Müll endgültig lagern könnte.

In Deutschland wird seit 1977 in einem ehemaligen Salzbergwerk in der Nähe von Gorleben geprüft, ob dort ein Endlager entstehen könnte. Dabei stellte man fest, dass das Salz brüchig ist und Wasser in die Salzspalten laufen kann. Eine sichere Lagerung ist hier also nicht möglich. Trotzdem gingen die Untersuchungen weiter und trotz großer Proteste wurden Castoren mit Atommüll in einer oberirdischen Halle nahe des Salzstocks abgestellt. Dort sollen sie zunächst zwischenlagern. Auch gegen diese Zwischenlagerung gibt es heftige Proteste. Denn jeder Castor, der in der Nähe des Salzstocks parkt, wird vermutlich auch irgendwann dort in der Tiefe versenkt. Und dann wäre der ungeeignete Salzstock doch ein Endlager.
Aber egal, wann, wie und ob sich das Problem der Lagerung lösen wird - eines ist in jedem Fall klar: Die beste Lösung ist die einfachste - AKW so schnell wie möglich abschalten, WAA abbauen, keinen Atommüll mehr produzieren. Und ganz in Ruhe nachdenken.
Kann eigentlich nicht passieren ... doch es geschah in Tschernobyl
In der Ukraine passierte das, von dem die Atomwirtschaft immer behauptet hatte, dass es vermutlich nie passieren würde: ein Unfall in einem Atomkraftwerk (AKW), der sich nicht mehr beherrschen lässt, ein Super-GAU (GAU heißt Größter Anzunehmender Unfall, der laut AKW-Betreiber noch beherrschbar ist).
Bei einem Sicherheitstest am 26. April 1986 im Atomkraftwerk bei Tschernobyl geriet ein Reaktorblock außer Kontrolle. Eine Knallgasexplosion katapultierte den tausend Tonnen schweren Stahlbetondeckel weg, eine zweite Explosion schleuderte radioaktive Reaktortrümmer hinterher. Mehrere zehntausend Quadratkilometer rund um den Reaktor wurden durch die radioaktive Strahlung verseucht.

Radioaktive Wolken wurden vom Wind auch in weit entfernte Gebiete geblasen; selbst bei uns wurde der Frühlingsregen plötzlich zu einer Bedrohung. Noch heute wird auch in Deutschland davor gewarnt, Beeren, Pilze und Wildarten aus bestimmten Regionen zu essen. Im Katastrophengebiet selbst und in der Umgebung starben sehr viele Menschen, unzählige erkrankten schwer. Das Ausmaß dieses größten Unglücks in der bisherigen Geschichte der Atomkraftwerke ist auch viele Jahre danach noch nicht abzuschätzen. Der zerstörte Reaktorblock in Tschernobyl wurde in einen Betonsarg gegossen. Im Inneren glüht noch immer der Reaktorkern ...
Knapp vorbei: Der so genannte Störfall
Auch in den AKW bei uns passieren immer wieder so genannte Störfälle - ein harmlos klingendes Wort, bei dem man eher an Ruhestörung als an ein Unglück denkt. Im Atomkraftwerk Biblis zum Beispiel konnte im Jahr 1987 ein schwerer Unfall nur knapp verhindert werden. Erst ein Jahr danach wurde der Fall durch die Presse bekannt. Weltweit hat es seit Tschernobyl hunderte von Störfällen in Atomkraftwerken gegeben.
Letztlich ist es aber kein Wunder, dass die Atomindustrie herzlich wenig Interesse daran hat, sich von ihren strahlenden Riesen zu trennen. Denn schließlich ist es ein gutes Geschäft, wenn die finanziellen Risiken durch Steuergelder abgedeckt sind. Nichts anderes heißt es nämlich, wenn der Staat die Haftung für die Risiken übernimmt.
Und ebenfalls kein Wunder, aber sehr erfreulich ist, dass sich angesichts dieser mit Verantwortungslosigkeit gekoppelten Geldgier eine breite Protestbewegung entwickelte. Die macht den Stromkonzernen und den Politikern seit Jahren das Leben schwer.
Die Schnecke zum Galoppieren bringen: Ausstieg aus der Atomenergie
Immerhin hat die rot-grüne Bundesregierung 2001 beschlossen, aus der Atomenergie auszusteigen. Leider wird den Betreibern der Atomkraftwerke dafür sehr viel Zeit gegeben. Laut Ausstiegsbeschluss darf nämlich jedes Atomkraftwerk durchschnittlich 32 Jahre lang laufen, bevor es abgeschaltet und entsorgt werden muss. Zwar dürfen in Deutschland keine neuen AKW mehr gebaut werden, aber manche der alten dürfen noch circa 20 Jahre lang Strom (und Atommüll) produzieren. Das ist entschieden zu lange. Und deswegen geht der Protest auch weiter: Kein Ausstieg im Schneckentempo, sondern: Alle AKW abschalten - und zwar so schnell es geht!
Können Kids AKW abschalten?
Blöde Frage, denkst du vermutlich. Das haben bisher ja nicht mal die Erwachsenen richtig hingekriegt ... Aber Kinder und Jugendliche können mithelfen, dass Atomkraftwerke irgendwann der Vergangenheit angehören.
Wie das geht? Du kannst zum Beispiel an der Schule ein Energiespar- und Solarprojekt anzetteln, einen Umweltclub, zum Beispiel ein Greenteam gründen, Leute informieren, bei Protestaktionen mitmachen.
Viele Kids sind schon aktiv geworden und eines ist klar: Sie hatten ziemlich viel Spaß dabei, auch wenn das Thema eine recht harte Nummer ist. Klick dich einfach mal zu den Aktionsideen durch, dann siehst du das! Du kannst auch versuchen, deine Eltern zum Energiesparen zu erziehen. Und sie davon überzeugen, auf Strom umzusteigen, der aus einem umweltfreundlichen Energiemix stammt. Das geht mittlerweile ganz einfach zum Beispiel bei Greenpeace energy. Den Link findet ihr unten.
Außerdem gibt es da auch noch die Jugendgruppen von Greenpeace. Die mischen immer wieder mit, wenn es um Castor & Co geht - und natürlich auch bei vielen anderen spannenden Themen. Eines ist jedenfalls klar: Greenpeace konnte auch deshalb schon viel erreichen, weil viele Leute mitmachen und auch selber aktiv werden. Und da kommt es nicht auf das Alter an: Hauptsache, man ist im besten Alter - welches auch immer das sein mag ...
Autor/in: Helga Bachmann, Harald Mörking