Etwa drei Viertel der Klima schädigenden Gase werden in den reichen Industrieländern in die Luft geblasen. Zu diesen Ländern zählen unter anderem die USA, Kanada, Japan, Deutschland und eine ganze Reihe weiterer europäischer Staaten.
Energiehunger: Wer zerstört das Klima?
Industrieländer sind besonders energiehungrig. Hier fahren Unmassen Autos, die Städte sind auch nachts taghell erleuchtet, und oft wird mangels Isolierung direkt zum Fenster hinaus geheizt. Mit hohem Energieaufwand werden unzählige Waren hergestellt, die nur einen Zweck erfüllen: gekauft zu werden, kaputt zu gehen oder nicht mehr in zu sein und dann durch neue Waren ersetzt zu werden.
All diese Dinge aus Aluminium, Stahl, Kunststoff, Baumwolle reisen per Flugzeug, Schiff oder LKW quer durch die Welt. Vom Erzeuger bis zum Verbraucher verschlingen sie dadurch Unmengen Energie, ihr Nutzen ist oft fragwürdig und viele landen direkt im Müll. Aber: Es wird viel Geld damit verdient, und darum geht es der Industrie letzten Endes. (Wenn ihr mehr wissen wollt: im Hintergrundtext zum Thema Verkehr werdet ihr fündig.)
Energie muss also, wenn es nach den Wünschen der reichen Industrieländer geht, vor allem billig sein. Denn niedrige Energiepreise sind das Schmiermittel der Wirtschaft. Der Reichtum beruht ja unter anderem darauf, dass fossile Energieträger verschwenderisch verbraucht werden. Deshalb haben alle, die mit Öl und Kohle viel Geld verdienen, keine Lust darauf, dass sich daran etwas ändert. Die USA zum Beispiel weigern sich beharrlich, auch nur einen Finger für den Klimaschutz zu krümmen - das könnte ja ihre Wirtschaft behindern.
Alles möglichst beim Alten belassen: Klimakonferenzen
Dass mit dem Klima etwas nicht mehr stimmt, wissen auch Politiker schon lange. Schließlich fand die erste Weltklimakonferenz bereits im Februar 1979 in Genf statt. Aber erst 13 Jahre später gaben die Politiker der Industrieländer offiziell zu: Die Abgase unserer Industrie und unseres Verkehrs verursachen alarmierende Veränderungen
des Erdklimas. Das war auf der Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro, Brasilien.

Wer jetzt denkt, da sei der Groschen gefallen, ist leider auf dem Holzweg. Es dauerte ganze fünf Jahre, bis man sich 1997 auf der Klimakonferenz im japanischen Kyoto darauf einigte, den Ausstoß von Treibhausgasen zu senken: bis zum Jahr 2012 um 5,2 Prozent im Vergleich zu 1990. Diese Vereinbarung nennt sich Kyoto-Protokoll. Aber selbst diese minimale Einschränkung war einigen Ländern zu viel. Anfang 2001 erklärte der damals neue Präsident der USA, George W. Bush, dass die USA aus dem Kyoto-Abkommen aussteigen werde. Seine Begründung: Wir werden nichts tun, was unsere Wirtschaft schädigen könnte.
Da werden sich Öl- und Gasindustrie, die Millionen Dollar für seinen Wahlkampf gespendet hatten, sicher gefreut haben ...
Da aber genügend andere Länder dem Kyoto-Protokoll endgültig zugestimmt haben, konnte es am 16. Februar 2005 in Kraft treten. Das wurde aber auch höchste Zeit fürs Klima!
Handel mit Klimagasen: Luftnummer oder Mittel zum Klimaschutz?
Im Kyoto-Protokoll ist festgehalten, welches Land wie viel seiner Treibhausgase reduzieren muss und welches Land sogar noch mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre blasen darf. Es gibt aber auch die Spielregeln vor, nach denen die Treibhausgase reduziert werden sollen.
Eine dieser Spielregeln heißt Emissionshandel (Emission ist etwas, das an die Umwelt abgegeben wird, also zum Beispiel Abgase. Aber auch Geräusche werden emittiert).
Einfach ausgedrückt sieht der Emissionshandel so aus: Jedes Industrieland bekommt das Recht, eine bestimmte Menge Kohlendioxid in die Luft zu blasen, hat aber auch die Pflicht, ganz genau über seine Treibhausgase Buch zu führen. Für diese festgelegte Menge bekommt es Zertifikate - und mit diesen Zertifikaten kann man handeln. Wer also mehr Kohlendioxid spart als er muss, kann die entsprechende Menge Zertifikate an ein Land verkaufen, das weniger gespart hat, als es soll. Wer bessere Kraftwerke baut, Energie aus erneuerbaren Energiequellen wie Sonne und Wind erzeugt oder Energie spart, kann sich das gutschreiben lassen.
Wenn alles mit rechten Dingen zugeht und keiner schummelt, könnte im Laufe der Zeit die Menge der Treibhausgase, die in die Atmosphäre gelangen, weniger werden. Seit Anfang 2005 wird der Emissionshandel in Europa ausprobiert. Ob er dem Klima nützen wird, muss sich aber erst noch erweisen.
Einfach, aber wirkungsvoll: Energie sparen
Für einen ersten, entscheidenden Schritt im Klimaschutz muss man gar nichts Besonderes tun. Man muss einfach nur etwas sein lassen: nämlich Energie verschwenden. Hört sich einfach an? Ist es auch.
Würden beispielsweise in deutschen Haushalten alle Standby-Funktionen an Computern, Fernsehern usw. ausgeschaltet, könnten schon einige Kohlekraftwerksblöcke weggespart werden.
Würde beim Autokauf und Autofahren, bei Haushaltsgeräten, beim Heizen und bei der Isolierung von Häusern aufs Energiekonto geachtet, dann wäre eine Reduzierung um ein Drittel beim Energieverbrauch drin. Und würden an einem Großteil der deutschsprachigen Schulen (rund 50.000) durchschnittlich 9.000 Liter Heizöl weniger verbraucht (das ist für jede einzelne Schule problemlos möglich), dann müsste die Atmosphäre jährlich über eine Million Tonnen Kohlendioxid weniger schlucken.
Raus aus dem Klimaschlamassel: Erneuerbare Energien
Energiesparen ist also ein wichtiger Baustein im Klimaschutz. Um das Klima wirkungsvoll zu schützen, ist es darüber hinaus nötig, Kohle und Erdöl durch erneuerbare Energien zu ersetzen - das sind zum Beispiel Sonne, Wind, Wasser, Erdwärme und auch Biomasse.
Die Natur hält alles bereit, was man zur umweltfreundlichen Energiegewinnung braucht. Man muss es nur nutzen. Der Ausbau der Windenergie auf hoher See (Offshore-Anlagen) zum Beispiel könnte zukünftig die Hälfte des in Deutschland benötigten Stroms produzieren.
Und die Sonne! Sie liefert täglich zigtausend mal mehr Energie, als man brauchen würde, um die ganze Welt zu versorgen. Sie macht keinen Dreck, ist ungefährlich und hält sich auch noch ein paar Milliarden Jahre. Das Beste dabei: Sie lässt sich anzapfen. Sonnenlicht kann durch Photovoltaik-Anlagen direkt in Strom umgewandelt werden. Auch Sonnenwärme kann direkt genutzt werden: Solarkollektoren fangen Sonnenwärme ein und erhitzen Wasser. Das kann zum Heizen und Duschen verwendet werden.
Wenn man von den riesigen Staudammprojekten einmal absieht, dann gehört die Wasserkraft zu den Möglichkeiten, umweltfreundlich Strom zu erzeugen. Auch der Einsatz von Biogas oder Biomasse (zum Beispiel Abfallholz) ist klimafreundlicher als die Verbrennung von Kohle oder Öl. Und Erdwärme wird schon seit vielen Jahren beispielsweise in Neuseeland und Island genutzt.
Die Umstellung auf erneuerbare Energien geht natürlich nicht auf einen Rutsch. Eine Zeitlang wird man auch noch auf Erdgas setzen müssen. Es zählt zwar auch zu den fossilen Energieträgern, setzt aber im Verhältnis zu den anderen sehr viel weniger Kohlendioxid frei. Aber Forschung und Entwicklung brauchen ihre Zeit, kosten Geld und die Wirtschaft hat zunächst nur Angst um ihre Gewinne - denn sie ist nach wie vor auf den massenweisen Verbrauch der fossilen Energieträger ausgerichtet.
Neueste Studien haben jedenfalls ergeben, dass mit den heute verfügbaren Technologien - wenn man sie entsprechend ausbauen würde - der weltweite Energiebedarf bereits sechsmal (!) abgedeckt werden könnte. Außerdem würden durch eine solche Energiewende zigtausende neue Arbeitsplätze geschaffen. Das sind doch prima Aussichten!
Damit es aber so weit kommt, brauchen Politik und Industrie immer wieder Nachhilfeunterricht: Man muss Druck machen. Denn weitsichtiges Denken, das über eine Wahlperiode, den Kontostand oder den Aktienkurs hinausgeht, ist leider nicht sehr verbreitet.
Und beim Nachhilfeunterricht für Politiker und Industrie sind auch Kids sehr gefragt ... Die haben nämlich oft ziemlich gute Ideen, wie man den Verantwortlichen Beine machen kann: Sie zetteln Energiespar-Projekte an ihrer Schule an und beweisen: Wenn man will, dann geht's auch. Sie erziehen ihre Eltern zum umweltfreundlichen Umgang mit Energie, machen sich schlau, informieren andere Leute und gehen mit pfiffigen Aktionsideen an die Öffentlichkeit.
Schon seit vielen Jahren macht Greenpeace mit Kindern und Jugendlichen gemeinsame Sache. Vielleicht hast du ja Lust mit einzusteigen: Gemeinsam ist man ja bekanntlich stärker als alleine!
Autor/in: Helga Bachmann, Harald Mörking