Gentechnik

Gentechnik – Natur als Versuchslabor

Die Gentechnik greift in das Erbgut der Lebewesen ein. Die Auswirkungen dieser Eingriffe sind nicht vorhersehbar. Was tun? Sich schlau machen und sich wehren!

Was bedeutet Grüne Gentechnik?

Bei der Grünen Gentechnik geht es darum, Nutzpflanzen über Eingriffe ins Erbmaterial so zu verändern, dass sie besser in die industrielle Landwirtschaft passen. Dabei ist es möglich, Pflanzen genetisch so auszustatten, dass sie Insektengifte selbst produzieren und somit Schädlinge vergiften können. Oder sie werden über den Eingriff unempfindlich (resistent) gemacht gegen Ackergifte. Dann kann man das Unkraut um sie herum großflächig totspritzen, ohne dass an den Nutzpflanzen auch nur ein Blättchen verdorrt.

Weiter geht es in den Forschungen darum, Erträge zu steigern oder Pflanzen für ungünstige Standorte fit zu machen, kurz: Es geht um die Anpassung der Natur an die menschliche Technologie. Und dabei ist eine Menge Geld im Spiel. Um es aber gleich vorwegzunehmen: Ein Bauer, der genverändertes Saatgut ausbringt oder seine Schweine mit Genfutter mästet, wird dabei nicht reich. Den Gewinn machen andere: Schon heute wird die Landwirtschaft von einigen wenigen großen Agrarkonzernen beherrscht: Bayer/Aventis, Monsanto, Syngenta und DuPont. Und denen geht es letzten Endes darum, den Markt vom Saatgut bis zum fertigen Produkt im Supermarkt zu kontrollieren und die Preise zu diktieren.

Ein Hebel dabei ist der Erfinderschutz, das so genannte Patentrecht. Das garantiert ihnen, dass das Geld für ihre gentechnisch veränderten Produkte auch tatsächlich nur in eine Richtung fließt.

Weizen, Vier-Backen-Schinken und nackte Katzen: Die herkömmliche Züchtung

Schon immer haben die Menschen versucht, die Natur zu beeinflussen. Auch ein herkömmlicher Züchter manipuliert. Bei seinem Job braucht er aber vor allen Dingen eines: Geduld. Denn er kreuzt Tiere oder Pflanzen, die durch Zufall eine bestimmte Eigenschaft entwickelt haben, über mehrere Generationen hinweg. Das macht er so lange, bis die Ergebnisse seinen Wünschen entsprechen.

So entstanden aus ein paar Wildgräsern die Getreidesorten, die wir heute kennen: Roggen, Weizen, Hirse, Reis und Hafer. So entstanden aber auch Schweine mit vier Schinken, Kühe mit Rieseneutern, haarlose Katzen und die Puten, die durch das Gewicht ihres Brustfleisches umkippen … Das alles findet im Rahmen der normalen Züchtung statt. Über die Artengrenze kann sich ein klassischer Züchter jedoch nicht hinwegsetzen.

Artenschranken: Können Veilchen bellen?

 

Blöde Frage. Natürlich können sie das nicht – genauso wenig wie ein Hund plötzlich blaue Blüten zwischen den Ohren austreiben kann. Denn ein Veilchen ist ein Blümchen und bellen ist eindeutig Hundesache. Zwischen beiden liegt etwas, das die Biologen Artenschranke nennen.

Zu einer Art gehören Lebewesen, die miteinander fortpflanzungsfähige Kinder haben können. Versuchen Pferd und Esel (zwei verschiedene Arten), die Artengrenzen auszutricksen, können sie zwar ein Muli zeugen, aber dann ist das Ende der Fahnenstange auch schon erreicht: Das Muli selbst ist unfruchtbar. Die Genforscher sind mit ihren Experimenten da schon weiter: Artenschranken zu knacken, ist eine der zahlreichen neuen Möglichkeiten der Gentechnik.

Der Stoff, aus dem das Leben ist

Die Entdeckung, dass Menschen-, Tier- und Pflanzengene chemisch aus ein und demselben Material sind, eröffnete Gentechnikern ein Feld, von dem sie früher nicht zu träumen wagten: Ab diesem Zeitpunkt schien es möglich, die Entwicklung eines Lebewesens von Grund auf zu beeinflussen: schnell, effizient und gewinnträchtig.

Denn: Wenn die Gene aller Lebewesen aus ein und dem selben Stoff sind, dann sind diese Gene austauschbar. Auch zwischen Tieren und Pflanzen und Menschen! Man kann sie zum Beispiel herausschneiden und irgendwo anders wieder einfügen! Man kann Eigenschaften wegnehmen oder hinzufügen. Man kann also ein Gen, einen Zellenbefehl, zum Beispiel: Tomate! Ab jetzt matschig werden! herausschneiden, und was passiert? Die Tomate wird zwar älter, aber man sieht es ihr nicht an. Gesund ist das nicht, denn auch alle Vitamine altern mit der Frucht – aber sie lässt sich noch gut verkaufen! Und darum geht es letztendlich.

Fette Fische und falsche Farben: Schrotschüsse aufs Erbmaterial

Meistens werden zusätzliche Gene wie mit der Schrotflinte ins Erbgut hineingeschossen. An welcher Stelle sie dabei eingebaut werden und welche Wechselwirkungen sie auslösen, ist weitgehend unbekannt. Man weiß auch nicht, ob ein Gen, das zum Beispiel in den Pflanzen ein Insektengift bilden soll, nicht vielleicht auch noch andere Stoffe bildet. Ob die dann Mensch und Umwelt schaden?

Schon die ersten Freilandversuche in Deutschland zeigen, wie wenig die Ergebnisse vorhergesehen werden können: In Petunien wurde ein Gen aus Maispflanzen eingebaut. Das sollte ihre Blüten lachsrot färben. Und was passierte? Plötzlich wuchsen die Blumen in merkwürdigen Formen, waren weniger fruchtbar und reagierten auch auf Schädlinge anders als früher. Und die Blüten? Lachsrot? Sehr zur Verwunderung der Forscher blühten sie überwiegend weiß. Genauso seltsam verliefen die Versuche mit Pappeln, die zum falschen Zeitpunkt anfingen zu blühen oder mit Fischen, die durch ein eingebautes Frostschutzgen ihr Wachstum beschleunigten. Frostschutz macht also groß oder was? Wer weiß … Die Genforscher jedenfalls wissen es nicht.