Verkehr

Hauptsache mobil?

Eine Milliarde Fahrräder fahren auf der Welt herum. Das ist viel Verkehr. Und das ist prima. Denn Fahrräder sind die umweltfreundlichsten Verkehrsmittel, die es gibt. Sie machen keinen Dreck und sie sind leise. Derzeit fahren aber auch eine Milliarde Autos und Lastwagen auf der Welt herum, stehen im Stau oder suchen Parkplätze.

Selbst im Flugverkehr gibt es vor den Landebahnen Gedrängel in luftiger Höhe. Und Tausende Tanker und Handelsschiffe versuchen beim Durchkreuzen der Weltmeere Zusammenstöße zu vermeiden. Das alles ist auch viel Verkehr – aber leider gar nicht prima.

Auch Greenpeacer fahren Auto …

Die modernen Verkehrsmittel – Autos, Flugzeuge, Schiffe – sind natürlich sehr praktisch. Greenpeace ist mit Schiffen auf den Weltmeeren unterwegs und auch Greenpeacer sind froh darüber, schwere Banner nicht auf dem Gepäckträger eines Fahrrads befördern zu müssen. Da ist es schon gut, dass es Autos gibt. Oder Flugzeuge, die einen schnell dorthin bringen, wo zum Beispiel eine Konferenz stattfindet, auf der über das Schicksal der Wale entschieden werden soll.

Und wer schon mal eine Blinddarmentzündung hatte, weiß einen blitzschnellen Krankenwagen oder ein Taxi, das auf die Tube drückt, sehr zu würdigen. Auch wer in einem Dorf wohnt, und auf die Frage, wann denn der Bus fahre, die Antwort Am Mittwoch bekommt, ist froh über Mofas, Mopeds, Roller, Autos.

Es gibt viele Gründe, die für die modernen Verkehrsmittel sprechen – das Problem dabei ist: Es werden immer noch mehr Autos, Flugzeuge, Schiffe. Und die belasten die Umwelt und die Gesundheit der Menschen und der Tiere. Der PKW-Verkehr in Deutschland hat sich in den letzten 30 Jahren verdoppelt und die Zahl der LKW hat sich sogar verdreifacht. Das Bundesverkehrsministerium rechnet bis zum Jahr 2015 sogar mit einer weiteren Steigerung des LKW-Verkehrs um 60 Prozent.

Wusstest du, dass du jedes Jahr 10.000 Kilometer mit dem Auto fährst?

Wo es viele Autos gibt, da gibt es auch viele Straßen und Autobahnen und Parkplätze. Kein anderes Land in Europa hat einen so großen Anteil seiner Landesfläche mit Straßen und Autobahnen zubetoniert. Laut Statistik legt jeder Bundesbürger – vom Baby bis zum 90jährigen Uropa – im Jahr 10.000 Kilometer mit dem Auto zurück.

Du auch. Nein? Du nicht? Und dein Opa auch nicht? Der hat nämlich gar kein Auto? Und du kennst niemanden, der jedes Jahr um die 10.000 Kilometer mit dem Auto herumbrettert?

Dann fährt jemand anders euer Kilometerpensum ab. So ist das eben mit solchen Statistiken. Die spiegeln die Wirklichkeit nur unzulänglich wider. Und beinahe unmerklich nageln sie jeden Einzelnen darauf fest, mit Schuld zu sein an den Folgen des Massenverkehrs: Wir alle fahren halt zu viel Auto.

Und deshalb schauen wir uns jetzt mal an, wer denn eure Kilometer in Wirklichkeit verfährt. Es geht nämlich um viel mehr, als nur darum, zwischendurch mal das Auto stehen zu lassen, um die Umwelt zu schonen. Du beispielsweise kannst es gar nicht stehen lassen. Hast ja keins …Du bist ohnehin an gar nichts schuld – auch wenn du Roller cool findest und dich auf den Führerschein freust. Die Verantwortung tragen die Erwachsenen – und von denen auch nur ein bestimmter Teil.

Gute Zeiten für LKW oder: Liegt die Nordsee in Afrika?

Würde eine Schule in Obermaushausen ihre Schüler nach dem Sportunterricht in den Bus packen, um sie zum Duschen nach Italien zu fahren … dann bliebe dem Direktor die Frage, ob er denn noch alle Tassen im Schrank habe, sicher nicht erspart. So schmeißt man doch das Geld nicht zum Fenster raus!

Werden aber Kartoffeln, die in Deutschland angebaut und geerntet wurden, zum Duschen nach Italien gebracht, und anschließend wieder zurück in deutsche Supermärkte gekarrt, stellt niemand die Tassenfrage: Die italienischen Kartoffelwaschanlagen sind schön billig, da lohnt sich der Umweg.

Auch wer in ein Krabbenbrötchen beißt, ahnt nicht, wieviel Kilometer die kleinen rosa Würmchen schon auf ihrem gekrümmten Buckel haben – schließlich heißen sie Nordseekrabben und die Nordsee liegt ja praktisch vor der Haustür. Da Krabben aber beim Reinbeißen knirschen würden, müssen sie geschält (gepult) werden – und zu diesem Zweck bringt man sie nach Marokko. Dieses Land liegt im Norden Afrikas. Marokkanische Krabbenpulerinnnen arbeiten so billig, dass sich auch circa 7.000

Niedrige Transportkosten – trotz Mautgebühr

Eine Bedingung dafür, dass der weltweite Transportverkehr so rapide zunehmen konnte, waren die Transportkosten, die immer niedriger wurden. Im Vergleich zu den Achtzigerjahren haben sie sich in Deutschland fast halbiert.

Auch die Mautgebühr, die für Lastwagen über 12 Tonnen auf deutschen Autobahnen gezahlt werden muss, macht den Transportverkehr per LKW nicht weniger rentabel und wird die Zahl der LKW voraussichtlich nicht deutlich verringern. Sie dient hauptsächlich dazu, das Verkehrsnetz in Schuss zu halten. Denn Brummis verursachen starke Schäden an den Autobahnen: Einen kleinen Teil der Kosten dafür bekommen sie jetzt (endlich!) auch aufgebrummt.

Der kleine Teil ist besser als nichts, er ist aber weit von den tatsächlichen Kosten entfernt. Der Umstieg auf die Bahn rentiert sich aus Unternehmersicht nach wie vor nicht. Er wäre immer noch teurer. Außerdem gibt es Möglichkeiten, diese zusätzlichen Kosten – zwischen neun und 14 Cent pro Kilometer, je nach Größe und Gewicht des LKW – zu sparen. Viele rumpeln jetzt beispielsweise über die Bundesstraßen und durch Ortschaften hindurch. Dieses Problem war zwar vorhersehbar, ist bislang aber noch nicht gelöst.

Aber trotzdem ist die Maut ein Schritt in die richtige Richtung. Dass sie – wie die Bundesregierung formuliert – ein Anreiz ist, das Transportwesen auf umweltfreundlichere Verkehrswege zu verlagern, ist leider noch nicht zu registrieren.

Was ein Joghurtbecherdeckel mit dem Treibhauseffekt zu tun hat

Ein Blick in die Regale eines Supermarktes reicht aus, um zu erkennen, dass fast alle dort angebotenen Produkte schon lange Reisen hinter sich haben: Bananen aus Costa Rica, Rindfleisch aus Argentinien, Butter aus Irland, Leitungswasser – unter dem feinen Namen Tafelwasser – aus Frankreich, usw. So viel zu den fertigen Produkten.

Und jetzt zu den Einzelteilen – die sind nämlich auch extrem reiselustig. Wenn ein Unternehmen zum Beispiel einen Erdbeerjoghurt herstellt, holt es sich zunächst einmal Angebote von anderen Firmen ein: Wer kann Becher oder Gläser am günstigsten liefern? Wer die Etiketten und den dazu gehörigen Leim? Wo gibt’s die billigsten Deckel? Wo sind die preisgünstigsten Joghurtkulturen, Fruchtmischungen, Aromastoffe zu haben, wo die günstigste Milch?

Und dann kann es passieren, dass ein Joghurt-Hersteller mit Sitz in Nordbayern folgendes koordinieren muss: Die Deckel kriegt er aus Lüneburg, die Joghurtkulturen aus Nordfriesland. Die Etiketten kommen aus Kulmbach und die Fruchtzubereitung aus Aachen. Die Milch kommt aus Baden-Württemberg und wenn alles zusammengerührt und verpackt ist, muss er nach Frankfurt, München und Saarbrücken liefern.

Ganz schön verzwickte Wege. Und ganz schön viel Strecke für so ein Joghurtbecherchen. Mit ganz schon viel Autoabgasen. Es wird aber noch verrückter.

Von amerikanischen Jeans, die noch nie in Amerika waren oder: Was der Klimawandel mit der Armut in der Welt zu tun hat.

Auf der Suche nach immer neuen Möglichkeiten, Kosten bei der Herstellung einzusparen, sind die großen Konzerne längst einen Schritt weitergegangen. Sie kaufen nicht nur die Einzelteile dort, wo sie am billigsten sind. Selbst auf den einzelnen Stufen ihrer Herstellung werden Waren um die halbe Welt gekarrt. Dafür werden Fabriken in der ganzen Welt genutzt oder aufgebaut.

Die Jeans einer US-amerikanischen Firma zum Beispiel, die in Hamburg oder München verkauft werden, waren noch nie in den USA … Die Baumwolle für die Jeans kommt aus Indien oder Kasachstan, wird in China versponnen, auf den Philippinen gefärbt, in Polen verwebt. Dann geht’s wieder zurück auf die Philippinen, wo die Jeans zusammengenäht wird. Innenfutter und Waschanleitung kommen aus Frankreich, Knöpfe und Nieten aus Italien, den verwaschenen Look bekommt die Jeans in Griechenland mit Bimssteinen verpasst … und dann wird die Ladung nach Deutschland verfrachtet, um dort verkauft zu werden.

Dass die Baumwolle aus Indien oder Kasachstan kommt, hat mit der Natur zu tun: Baumwolle wächst nun mal nicht überall auf der Welt. Alles andere hat nichts mit Natur, sondern ausschließlich mit Gewinnspannen zu tun. Die Industrieunternehmen wählen solche Standorte für ihre Fabriken, an denen sich am meisten holen lässt: Länder, in denen die Löhne niedrig sind und die Arbeitszeiten lang. In manchen Ländern drückt die Regierung bei Umweltauflagen, Arbeitsschutzbestimmungen und Kinderarbeit ein bis zwei Augen zu – da wird alles schön billig. Und darum geht es.

Und deshalb lautet eine ganz einfache Formel: Der Klimawandel hat nicht nur etwas damit zu tun, dass wir alle zu viel Auto fahren. Das tun nämlich gar nicht wir alle. Er hat etwas damit zu tun, dass einige Unternehmen den Hals nicht vollkriegen können und weltweit auf Schnäppchensuche nach billigen Arbeitskräften und billigen Rohstoffen gehen.

Er hat etwas zu tun mit der Armut auf der Welt, die Menschen in den so genannten Entwicklungs- und Billiglohnländern zwingt, ihre Arbeitskraft und ihre Naturschätze an reiche Unternehmen aus den Industrieländern zu verschachern. Deshalb machen die Waren auf ihrem Weg vom Rohstoff zum fertigen Produkt klimaschädigende Weltreisen, bevor sie im Kaufhaus landen.

In den reichen Ländern wird zwar viel über den Klimawandel durch zu viel Verkehr geredet. Um ihn zu stoppen wird aber herzlich wenig getan. Denn das könnte die Geschäfte verderben. In den reichen Ländern wird zwar viel über den Klimawandel durch zu viel Verkehr geredet. Um ihn zu stoppen wird aber herzlich wenig getan. Denn das könnte die Geschäfte verderben.